Das ist eine logische Frage. Rotlichttherapie klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Einfach vor einer Lampe sitzen und dafür sorgen, dass sich Haut, Muskeln und Gelenke schneller regenerieren?
Doch die Wissenschaft ist hier eindeutiger als bei den meisten Wellness-Trends. Inzwischen gibt es Tausende veröffentlichte Studien zur Photobiomodulation, davon mehr als fünftausend peer-reviewte. Das ist kein kleiner Anfang.
Wie funktioniert sie?
Rotlichttherapie wirkt über Photobiomodulation: Licht im roten und nahinfraroten Spektrum wird von den Mitochondrien in deinen Zellen absorbiert, die daraufhin mehr ATP produzieren. ATP ist die Energiequelle für nahezu alle zellulären Prozesse – von der Hautregeneration über die Muskelregeneration bis zur Entzündungshemmung. Dieser Mechanismus ist nicht umstritten. Er ist gut verstanden und in der wissenschaftlichen Literatur vielfach reproduziert worden.
Haut und Anti-Aging
Eine der am besten untersuchten Anwendungen ist die Verbesserung der Haut. In einer prospektiven, randomisierten und kontrollierten Studie mit 136 Teilnehmenden, veröffentlicht in Photomedicine and Laser Surgery, wurde nach 30 Sitzungen eine signifikante Verbesserung der Hautstruktur, der feinen Linien und der intradermalen Kollagendichte festgestellt, gemessen per Ultraschall. Die Ergebnisse galten sowohl für rotes Licht (611 bis 650 nm) als auch für ein breiteres polychromatisches Spektrum. Wunsch & Matuschka, PMC 2014
Muskelregeneration und sportliche Leistung
Nahinfrarotes Licht mit 810 bis 850 nm dringt bis in das Muskelgewebe vor. Mehrere kontrollierte Studien zeigen, dass die Anwendung vor oder nach dem Training Muskelschäden reduziert, die Regeneration beschleunigt und Muskelkater nach dem Sport (DOMS) verringert. Eine auf PubMed veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Photobiomodulation und Muskelgewebe bestätigt, dass sowohl die Anwendung vor als auch nach dem Training nachweisbare Effekte auf die Ermüdungsresistenz und Muskelschäden hat. Leal-Junior et al., PubMed 2016
Entzündungshemmung und Gelenkbeschwerden
Rotlichttherapie hat eine gut dokumentierte entzündungshemmende Wirkung. Sie hemmt proinflammatorische Zytokine und stimuliert Reparaturprozesse in geschädigtem Gewebe. Eine umfassende auf PMC veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigt, dass Photobiomodulation bei der Schmerzlinderung bei Erkrankungen wie Kniearthrose, chronischen Rückenschmerzen, rheumatoider Arthritis und Karpaltunnelsyndrom wirksam ist. Hamblin, PMC 2019
Für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen gibt es zusätzliche Hinweise darauf, dass Photobiomodulation Entzündungsmarker senkt und synoviale Entzündungen hemmt, auch bei rheumatoider Arthritis. Übersichtsarbeit zu Photobiomodulation bei Arthritis, PMC 2023
Schmerzlinderung
Die FDA hat Lichttherapie zur Behandlung von Gelenkschmerzen zugelassen. Mehrere klinische Studien bestätigen, dass Rotlichttherapie Schmerzen sowohl akut als auch chronisch lindert – ohne die Nebenwirkungen von Medikamenten. Die entzündungshemmende Wirkung der Photobiomodulation wird in einer umfassenden mechanistischen Übersichtsarbeit auf PMC beschrieben. Hamblin, PMC 2017
Aber wirkt sie immer?
Nein. Und das ist wichtig zu sagen.
Die wissenschaftlichen Belege sind stark, weisen jedoch auch Einschränkungen auf. Viele Studien wurden mit professionellen Geräten durchgeführt, die bestimmte Wellenlängen und Bestrahlungsstärken liefern. Ein günstiges Panel mit unklaren Spezifikationen kann diese Ergebnisse nicht reproduzieren.
Rotlichttherapie wirkt. Aber nur, wenn das Gerät die richtigen Wellenlängen liefert, aus dem richtigen Abstand eine ausreichende Bestrahlungsstärke erreicht und über mehrere Wochen hinweg konsequent angewendet wird.
Fazit
Rotlichttherapie gehört derzeit zu den am besten untersuchten nichtinvasiven Therapien. Die Belege für eine Verbesserung der Haut, Muskelregeneration, Entzündungshemmung und Schmerzlinderung sind robust. Die Frage ist nicht, ob sie wirkt, sondern ob dein Gerät über die Spezifikationen verfügt, um die Ergebnisse aus den Studien tatsächlich zu reproduzieren.
